Allgemein · Rohkost · sekundäre Pflanzenstoffe

Pflanzenfamilien – Unterschätztes Wissen für eine gesunde Ernährung

Hast Du dich schon mal gefragt welcher Pflanzenfamilie dein Reis, dein Apfel, dein Spinat oder deine Chiasamen angehören?
– „Nein, wieso auch?“- fragst Du dich vielleicht.
Das hab ich mir auch gedacht bevor ich Angelika Fischers Buch „Das große Rohkost-Buch“ gelesen habe. Mir war trotz meines Studiums der Ökotrophologie nicht bewusst, dass das Wissen welches Nahrungsmittel welcher Pflanzenfamilie angehört einem zum absoluten Ernährungsprofi machen kann.

Mit Wissen über Pflanzenfamilien zum Ernährungsexperten werden

Denn jede Kategorie hat ganz bestimmte Auswirkungen auf unseren Körper.
Außerdem ist es faszinierend am Geschmack zu erkennen, dass die verschiedenen Nahrungsmittel einer Gattung ziemlich ähnliche Aromen haben. Das ist mir aber auch erst aufgefallen, als ich bewusst darauf geachtet habe.
Des Weiteren wird einem immer mehr über Traditionen in der Ernährung bewusst. Warum wird Kraut meistens Kümmel hinzugefügt oder Linsen zusammen mit Koriander serviert? –  Beide Gewürze zählen zur selben Familie und haben damit die gleiche Eigenschaft die schwer verdaulichen Linsen oder Kohlsorten verträglicher zu machen.
Obendrein macht einen das Wissen über Pflanzenfamilien zum Kochprofi. Man lernt welche Lebensmittel gut miteinander harmonieren; z. B. Mandeln und Äpfel; beides Rosenartige!

Pflanzenfamilien im Kurzporträt

Im Folgenden möchte ich Dir diejenigen Lebensmittel aus den wichtigsten Pflanzenfamilien vorstellen, die wir häufig in Deutschland essen. Im Gegensatz zu Angelika nenne ich dir also nicht die Wildkräuter, auf welche sie sich spezialisiert hat, da nur die Wenigsten diese regelmäßig in ihre Ernährung integrieren.
Des Weiteren zeige ich Dir, welche davon wir in größeren Mengen essen können und welche in kleineren Mengen als Unterstützung verzehrt werden sollten.

6 Pflanzenfamilien für die Basisernährung

Diese Pflanzen können wir in größeren Mengen essen, da sie selbst dann nur mäßige Auswirkungen oder ausschließlich positive Effekte auf unseren Organismus haben:

Korbblütlerlettuce-2468495_640

  • Geschmack: (leicht) bitter
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Inulin, Oligofructose, Bitterstoffe, ausgewogenes Aminosäure-Profil
  • Wirkung: gut für die Verdauung wegen der enthaltenen Bitterstoffe und der präbiotischen Wirkung des Inulins bzw. der Oligofructose)
  • Beispiele: Alle Blattsalate, Chicoree, Topinampur, Sonnenblumenkerne

Kürbisartige

  • Geschmack: mild, neutral
  • Beispiele: Gurke, Zucchini, Kürbis, Melone

Palmenartige

  • Geschmack: süß
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: ausgeglichenes Glucose-Fructose-Verhältnis
  • Beispiele: Datteln, Kokosnuss

 Rosenartige

  • Geschmack: süß
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Kern- und Steinobst haben meist einen hohen Fructosegehalt und Sorbit, Kerne von Steinobst enthalten viel Blausäure
  • Beispiele: Kernobst (z.B. Apfel, Birne), Steinobst (z.B. Pflaume, Nektarine), Erdbeeren, Himbeeren, Mandeln, Hanfsamen

Seifenbaumartige

  • Geschmack: glitschig, seifig, süßlich
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Saponine
  • Wirkung: Saponine wirken entzündungshemmend, harntreibend, hormonstimulierend, cholesterinsenkend und können den Darm reizen
  • Beispiele: Alle Zitrusfrüchte (z. B. Orangen, Mandarinen), Litschis, Mangos, Cashewkerne

Süßgräsercorn-1751321_640

  • Geschmack: mild, leicht nussig
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Gluten und Lektine in den Getreidearten, Kieselsäure (Silizium), hoher Zink-, Eisen- und Magnesiumgehalt
  • Wirkung: Kieselsäure und Zink unterstützen dem Aufbau des Bindegewebes und fördern das Wachstum von Haar und Fingernägeln, Lektine und Gluten können den Darm reizen
  • Beispiele: Alle Getreide (z.B. Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais, Hirse), Ananas

6 Pflanzenfamilien zur Ergänzung

Aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe, die sich in größeren Mengen negativ auswirken können, sollten folgende Pflanzen nicht den Großteil der Ernährung ausmachen:

Doldenblütler

  • Geschmack: aromatisch, würzig, süßlich
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Apigenin
  • Wirkung: Apigenin (ein Polyphenol) wirkt krebshemmend und hemmt die Östrogenproduktion (Menstruationslindernd, aber im Übermaß droht Unfruchtbarkeit),

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    die ätherischen Öle haben ein hohes allergenes Potential, wirken aber auch Blähungslindernd

  • Beispiele: Karotten, Pastinaken, Sellerie, Fenchel, (Kreuz)kümmel, Petersilie, Koriander

Kreuzblütlercabbage-957778_640

  • Geschmack: scharf, schwefelig
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Senfölglykoside, reich an Proteinen (insb. schwefelhaltige Aminosäuren) und Mikronährstoffen, unverdauliche Oligosaccharide
  • Wirkung: Senfölglykoside wirken antibakteriell, entzündungshemmend und krebshemmend, aber vermindern auch die Jodaufnahme,
    die schwefelhaltige Aminosäuren wirken entgiftend und stärken das Immunsystem,
    Oligosaccharide fördern Blähungen
  • Beispiele: Alle Kohlsorten (z.B. Broccoli, Rotkohl, Kohlrabi), Rettich, Radießchen, Senf

Lippenblütlerherb-2540568_640

  • Geschmack: aromatisch, würzig
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: ätherische Öle
  • Wirkung: die ätherischen Öle haben eine schützende und heilende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt, in größeren Mengen wirken sie allerdings psychoaktiv, nervenschädigend und toxisch
  • Beispiele: Oregano, Basilikum, Rosmarin, Minze, Melisse, Sesam, Chiasamen

Nachtschattengewächse

  • Geschmack: mild, süßlich
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Alkaloide (mehr oder weniger)
  • Wirkung: Alkaloide wirken in kleinen Mengen anregend, in größeren Mengen sind sie aber ein psychotropher Giftstoff
  • Beispiele: Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Tabak

Nelkenartige

  • Geschmack: leicht säuerlich
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Oxalsäure, sehr ausgewogenes Aminosäureprofil
  • Wirkung: Oxalsäure hemmt die Aufnahme von Calcium, Eisen und Magnesium und fördert die Bildung von Harn/Nierensteinen
  • Beispiele: Amaranth, Buchweizen, Quinoa, Spinat, Mangold, Rote Bete, Rhababer

Schmetterlingsblütenartige

  • Geschmack: roh bitter, gekocht mild
  • Charakteristische Inhaltsstoffe: Roh-giftige Lektine, unverdauliche Oligosaccharide, hoher Proteingehalt (insb. Aminosäure Lysin; aber wenig Methionin), Saponine
  • Wirkung: Lektine sind roh tödlich, gekocht können sie in großen Mengen den Darm schädigen,
    Saponine wirken entzündungshemmend, harntreibend, hormonstimulierend, cholesterinsenkend und können den Darm reizen
  • Beispiele: Alle Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen, Soja, Lupine), Erdnuss

5 Pflanzenfamilien, die Du täglich essen solltest

Aufgrund bestimmter stärkender und heilsamer Eigenschaften, solltest du folgende Pflanzenfamilien täglich in deine Ernährung integrieren. Ausführlich hab ich sie Dir ja bereits vorgestellt:

  1. Korbblütler (z.B. Salat)
  2. Süßgräser (z.B. Reis)
  3. Doldenblütler (z.B. Karotten)
  4. Kreuzblütler (z.B. Kohl)
  5. Lippenblütler (z.B. Basilikum)

Fazit

Man kann die verschiedenen Pflanzenfamilien auch gezielt in höheren Mengen bei bestimmten Erkrankungen einsetzen; z.B. mehr Doldenblütler bei Menstruationsbeschwerden.
Auch in meiner Ernährungsberatung arbeite ich gerne mit den Wirkungen von Pflanzenfamilien um bestimmte Leiden zu bekämpfen. Melde dich einfach bei mir, wenn Du Hilfe brauchst. 😄

Übrigens war ich von Angelikas Buch und ihrem Wissen so begeistert, dass ich sie gefragt habe, ob sie ein Vorwort für mein Buch „Kampf der Ernährungsformen“ verfassen möchte. Sie stimmte zu, da sie auch mein Buch klasse fand. ☺️
Wenn Du dich auch von unseren Büchern inspirieren willst, kannst Du sie dir hier bestellen:

       Kampf der Ernährungsformen  

Liebe Grüße

Alina

Quellen:

2 Kommentare zu „Pflanzenfamilien – Unterschätztes Wissen für eine gesunde Ernährung

  1. Liebe Alina, dein Beitrag ist sehr interessant und lesenswert. In der Kochtradition steckt wahrhaftig viel wissenswertes, da stimme ich dir zu. Ich stelle dies immer wieder fest, wenn ich mich mit der TCM beschäftige. Vielen Dank für den informativen Beitrag! Liebe Grüße, Victoria

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