Gefahren in der Ernährung · Gut oder schlecht?

Schlank oder krank durch künstliche Süßstoffe?

Süßstoffe erwecken seit ca. 100 Jahren große Hoffnung für figurbewusste Süßmäuler. Die Süßkraft ist 30 bis 37.000-fach so hoch wie die von gewöhnlichem Haushaltszuckers, weshalb im Endprodukt meist nur geringe Mengen benötigt werden. Zudem kann unser Körper Süßstoffe kaum verstoffwechseln, wodurch das „Kalorien-Konto“ nahezu unberührt bleibt.
Man findet sie in Light-Produkten wie Softdrinks, Joghurt oder Pudding, in zuckerfreien Kaugummis und Bonbons oder in Proteinshakes. Als Süßstofftabletten werden sie gerne für Kaffee oder Tee verwendet und in flüssiger Form kann man seine Desserts damit süßen.
Doch seit ihrer Entdeckung stehen diese synthetisch erzeugten Süßstoffe unter Kritik. So sollen sie den Appetit fördern, zu Krebserkrankungen führen und vieles mehr. Doch was ist dran an diesen Behauptungen? Und gibt es Unterschiede zwischen Aspartam, Saccharin und Co.?

Süßstoffe fördern den Appetit und machen daher dick

Diese Aussage klingt doch eigentlich paradox, da Süßstoffe ausgerechnet von den Menschen verzehrt werden, die Kalorien einsparen und ihr Gewicht reduzieren möchten. Es scheint aber doch was an dieser Theorie dran zu sein:
So konnte gezeigt werden, dass Ratten, die mit Süßstoff (Acesulfam-K oder Saccharin) gesüßten Naturjoghurts gefüttert wurden wesentlich mehr fraßen und an Gewicht zunahmen als die Kontrollgruppe, die mit Zucker gesüßten Joghurt erhalten hatte. Die Tiere setzten jedoch nicht nur mehr Fett an, sie konnten auch später ihr Gewicht schlechter regulieren. Wahrscheinlich „verlernt“ der Körper, wie viele Kalorien ein Lebensmittel mit sich bringen, und verliert das Gespür wann genügend Energie aufgenommen wurde. (1)
Der Süßstoff Sucralose scheint den selben Effekt zu haben: Fliegen, die 6 Tage mit Sucralose gesüßte Nahrung erhielten, nahmen nach der Umstellung auf mit Rohrzucker gesüßte Kost mehr Nahrung und 30 Prozent mehr Kalorien zu sich als diejenigen, die durchgehend mit diesem Zucker gefüttert wurden. (2)

Auch Humanstudien können dies „beweisen“:
Das Belohnungszentrum im Gehirn der Probanden die mit Zucker gesüßte Getränke erhielten wurde besser befriedigt und sie fühlten sich stärker gesättigt als bei Konsum von Getränken mit Acesulfam-K, Aspartam oder Saccharin.
Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen, die vermehrt zu süßstoffhaltigen Nahrungsmitteln greifen, einen höheren BMI haben – wahrscheinlich weil sie mehr Appetit bekommen und folglich mehr essen. Ein weiterer Grund für diese Korrelation könnte sein, dass diese Personen, den Verzehr energiereduzierter Lebensmittel häufig als „Freibrief“ sehen, um bei anderen Speisen stärker zugreifen zu dürfen. (3)

Süßstoffe zerstören die Darmflora und fördern Diabetes

Diabetikern wird häufig dazu geraten ihre Speisen nicht mehr mit Zucker zu süßen, sondern mit Süßstoff, da dieser keine Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat. Dass diese Empfehlung nicht wirklich sinnvoll ist, konnte in einigen Untersuchungen gezeigt werden:
Mäuse, die leicht mit Süßstoff (Sucralose, Saccharin oder Aspartam) gesüßtes Trinkwasser erhielten, wiesen nach 11 Wochen eine ausgeprägte Glukoseintoleranz auf (=schlechtere Verstoffwechslung von Zucker); insbesondere bei Saccharin.
Da Süßstoffe vom menschlichen/tierischen Organismus kaum verstoffwechselt werden können und nahezu unverändert wieder ausgeschieden werden, stellt sich die Frage, wie es zu diesem Effekt kommen konnte. Die Ursache liegt auf dem Weg durch den Magen-Darm-Trakt. Gab man den Mäusen zusätzlich zur Süßstoff-Diät Antibiotika, wurde keine Glucoseintoleranz mehr festgestellt.
Auch hier bestätigen Untersuchungen an Menschen die Ergebnisse:
Nicht-Diabetiker, die viel süßstoffhaltige Nahrung verzehrten, wiesen bereits nach einer Woche schlechtere Nüchternblutzuckerwerte, eine schlechtere Glukosetoleranz und eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora auf. (4)

Süßstoffe führen zu Krebs

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält den Einsatz von Süßstoffen für gesundheitlich unbedenklich, sofern die festgelegten Höchstmengen nicht überschritten werden. Doch wie kam es überhaupt zu den Vorwurf, Süßstoffe würden Krebs erzeugen?
In Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass der Süßstoff Aspartam Blut-, Gehirn-, Lymphdrüsen- und Harnleiter-Krebs auslösen kann und dass Saccharin und Cyclamat in extrem hohen Dosen zu Blasenkrebs führt. Für alle anderen Süßstoffarten, außer Stevia, konnte keine karzinogene Wirkung festgestellt werden. Du fragst dich jetzt vielleicht: „Was? Ich dachte Stevia sei eine gesunde, natürliche Alternative…?“  –
Wenn du mein Buch „Lebensmittel unter der Lupe“ bereits gelesen hast weißt du, dass dies nicht der Fall ist: Zwar sind die eigentlich in Stevia enthaltenen Stevioside unbedenklich, das Abbauprodukt Steviol zeigt in höheren Mengen bei Nagetieren jedoch schon eine genotoxische Wirkung.
Studien an Menschen und bei „normaler“ Dosierung konnten allerdings KEIN erhöhtes Krebsrisiko durch Süßstoffkonsum feststellen. (5, 6)

Fazit

Es gibt viele Ernährungsmythen im „Nahrungsdschungel“, die so einfach nicht stimmen. Doch an der Bedenklichkeit von Süßstoffen ist tatsächlich etwas dran.
Dass diese zu Krebs führen kann zwar nicht ausreichend belegt werden, da lediglich Studien an Tieren mit extrem hohen Mengen Hinweise dafür geben.
Die appetitsteigernde, darmschädigende und das Hormonsystem beeinflussende Wirkung kann jedoch ziemlich eindeutig nachgewiesen werden.
Die Süßstoffe Sucralose, Saccharin, Cyclamat, Aspartam und Acesulfam-K sind besonders schädlich und sollten unbedingt vermieden werden.
Ich rate dir stattdessen lieber zu regionalem Zuckerrübensirup, Kokosblütenzucker aus fairem Handel.
Kalorienärmere Alternativen wären gentechnikfreies Erythrit und Xylit aus Europa.

Und am Besten wäre es mit frischen oder getrockneten Früchten zu süßen oder mit gemahlenen Pulvern aus süßen Pflanzen, welche ich dir bereits in diesem Artikel vorgestellt habe: Alternative gesunde Süßungsmittel – Welches ist das Beste?

 

Quellen

(1) General and persistent effects of high-intensity sweeteners on body weight gain and caloric compensation in rats (2009) 

(2) Sucralose Promotes Food Intake Through NPY and A Neuronal Fasting Response (2016)

(3) Gain weight by “going diet?” Artificial sweeteners and the neurobiology of sugar cravings (2010)

(4) Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota (2014)

(5) Ernährungsumschau: Update Süßstoffe – Neues über Nutzen und Risiken (2010)

(6) EFSA: Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides for the proposed uses as a food additive (2010)

3 Kommentare zu „Schlank oder krank durch künstliche Süßstoffe?

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