Gefahren in der Ernährung · Gut oder schlecht? · sekundäre Pflanzenstoffe

Lektine – giftig oder harmlos?

Besonders wenn ich mich in der Paleo-Szene so umhöre stoße ich immer wieder auf das Thema „Lektine“ und wie schädlich sie doch sind. Besonders Getreide wird unter anderem wegen diesem „Antinährstoff“ gemieden. Was steckt hinter dieser These und lohnt sich ein Verzicht? Das alles erfährst du in diesem Beitrag:

Lektine zerstören den Darm

Was sind Lektine und wo sind sie enthalten?

Lektine sind Proteine, die in nahezu jedem Organismus vorkommen; egal ob Pflanze oder Tier. Besonders Samen, wie Getreide und Hülsenfrüchte sind voll damit. Sie wehren sich durch die Bildung von Lektinen davor gefressen zu werden. Daher können Lektine auch als sekundärer Pflanzenstoff bezeichnet werden.

Manche Lektine sind richtig giftig für uns. Darunter fallen vor allem die Lektine aus Hülsenfrüchten (Linsen, Erbsen, Bohnen); die sogenannten Phasine, die zu einer Verklumpung der roten Blutkörperchen führen können.
Roh genossen können sie im Übermaß sogar tödlich sein. Durch Keimen lässt sich der Lektin-Gehalt geringfügig, durch Kochen sogar drastisch verringern und ab ca. 10 Minuten bei 100 °C unschädlich machen. Es gibt jedoch auch besonders hartnäckige Lektine, die sich nicht so einfach geschlagen geben: Dazu zählen vor allem Gliadine (das „Gluten“ aus Weizen), Weizenkeim-Lektine (WGA) und die Agglutinine, die sich ebenfalls in Weizen, aber auch in Kidneybohnen, Erdnüssen und Sojabohnen befinden.

Welchen Schäden können Lektine verursachen?

Normalerweise verhindert unsere Darmbarriere das Eindringen von zu viel Lektinen aus der Nahrung.

Wenn Du allerdings einen sensiblen Bauch (z. B. Reizdarm) besitzt oder gar unter einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit leidest (z. B. Morbus Crohn), können die Lektine leichter deine Darmbarriere überwinden, ins Blut gelangen und die Entzündungen des Darms weiter fördern. Die Nährstoffaufnahme wird dadurch ebenfalls behindert. Der Körper versucht den starken Anstrom von Lektinen abzuwehren, was Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Rheumatoide Arthritis begünstigen kann.

Daher macht es bei diesen Menschen Sinn, alle stark lektinhaltigen Samen (Weizen, Kidneybohnen, Sojabohnen und Erdnüsse) besonders  gründlich durchzugaren (über 120° C) und nicht in großen Mengen zu verzehren.

Ansonsten brauchst Du auf Lektine nicht verzichten – zumal dies aufgrund des ubiquitären Vorkommens sowieso kaum möglich ist. Also keine Angst vor Linsen, Reis und co. Hör auf Deinen Bauch; wenn er sich nach dem Essen nicht beschwert, haben dir die Lektine auch nicht geschadet. 

Falls Du weitere Fragen zu diesem Thema hast, stell sie mir gerne in den Kommentaren oder schreib mich einfach auf Facebook oder unter „Kontakt“ persönlich an.
Ich freue mich natürlich auch, wenn Du diesen oder einen anderen meiner Beiträge mit Deinen Freunden und Bekannten teilst.

 

Quellen:

 

 

 

 

3 Kommentare zu „Lektine – giftig oder harmlos?

  1. Liebe Alina,
    erst mal danke für den kompakten, informativen Beitrag!
    Ich habe Hashimoto Thyreoiditis und ernähre mich daher glutenfrei und vegan (va wegen der Milchprodukte, aber auch weil ich keine Tiere essen möchte). Hin und wieder habe ich nun schon gelesen, dass auch Hirse und Mais nicht wirklich glutenfrei sein sollen – was vielleicht mit den Lektinen zu tun haben könnte? Jedenfalls merke ich (anders als zB Zöliakie-Patienten) nicht unbedingt gleich nach dem Essen, ob etwas für mich bekömmlich war oder nicht. Darum bin ich auch unsicher, ob ich ganz, ganz streng auf glutenfreie Produkte achten muss, oder ob „kann Spuren von Gluten enthalen“ für mich ok ist. Die Schulmedizin beschäftigt sich ja leider bei Hashimoto noch nicht wirklich mit diesem Zusammenhang. Kannst du dazu Genaueres sagen?
    Danke dir im Voraus, liebe Grüße, Elke

    Gefällt mir

    1. Hallo liebe Elke,
      freut mich, dass dir der Artikel gefällt. 🙂
      Gluten ist auch ein Lektin. Jedes Getreide, auch Mais oder Reis enthält Gluten; sie sind nur aus verschiedenen Fraktionen aufgebaut: Bei Weizen ist es z. B. Gliadin+Glutenin und bei Mais Zein+Zeanin. Mehr dazu auch in meinem Artikel über Gluten: https://nahrungsdschungel.com/2016/11/03/gluten-wie-schaedlich-ist-es-wirklich/
      Ich würde an deiner Stelle v. a. Weizen, Dinkel, Mais, Erdnuss und Soja meiden. Mais löst bei vielen Rheumapatienten Schübe aus, weshalb ich es auch bei Hashimoto meiden würde. Lasse diese Lebensmittel mal alle ca. 1 Woche weg. Dann bau versuchshalber eines dieser LM wieder ein und beobachte wies dir geht. Falls du Interesse an einer ausführlichen Ernährungsberatung hast, kannst du mich gerne anschreiben. Würde mich freuen dir zu helfen.
      LG,
      Alina

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