Ernährungsschwierigkeiten · Mythos oder Wahrheit

Candida- Wie schädlich ist der Hefepilz tatsächlich?

Ob Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Sodbrennen oder Depressionen – Für all das soll der Hefepilz Candida albicans verantwortlich sein. Das sagen zumindest viele Heilpraktiker und naturmedizinisch-orientierte Ärzte. Sie verschreiben daher recht schnell ein Antimykotikum (Anti-Pilzmittel) und verordnen eine strenge „Anti-Pilz-Diät“ um den Darmpilz „auszuhungern“.

Wenn man Schulmediziner zu diesem Thema befragt, kann man sich hingegen eher auf kritische bzw. abwertende Reaktionen einstellen. Darmpilze, wie eben auch Candida gehören laut ihnen zum normalen Darmökosystem.

Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass bei etwa 50 % „gesunder“ Mitteleuropäer Candida im Stuhl nachweisbar ist und diese sich nicht über irgendwelche Symptome beklagen können. Normalerweise wird die Vermehrung der Hefen im Darm durch eine Reihe von Faktoren begrenzt, wie z. B. niedriger pH-Wert im Magen, Verdauungsenzyme, konkurrierende bakterielle Darmflora oder die Schleimhautbarriere.

Dennoch gibt selbst die Schulmedizin zu, dass Candida bei bestimmten Personengruppen zum Problem werden kann:

  • Bei gestörter Darmbarriere (Leaky-Gut-SyndromDünndarmfehlbesiedlung)
  • Bei einem geschwächtem Immunsystem (z. B. Krebs, HIV)
  • Durch Protonenpumpenhemmer (führt zu weniger schützender Magensäure)
  • Durch medikamentöse Immunsuppresion (z. B. Kortison)
  • Nach einer Antibiotika-Behandlung

Sieht man sich diese Risikogruppen mal genauer an, muss man zugeben, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, selbst von einer Candida-Überwucherung (=Candidose) betroffen zu sein…
So leiden alleine in Deutschland fast 2 Millionen Menschen an einer Krebserkrankung, etwa 500.000 an Rheuma, weitere 500.000 an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen usw. Und wie viele Menschen bleiben heutzutage noch vor einer Antibiotika-Behandlung verschont…?!?

Woher weiß ich, ob ich selbst von einer Candidose betroffen bin?

Das Problem bei der Diagnose ist, dass man bei einem bloßen Nachweis von Candida im Stuhl noch nicht automatisch weiß, ob es sich um eine physiologische oder eine pathogene Besiedlung handelt. Es müsste herausgefunden werden, wo genau im Körper sich der Hefepilz befindet. Denn nicht der im Dickdarm angesiedelte Candida macht Probleme, sondern wenn er im oberen Verdauungstrakt sitzt (Mundhöhle, Magen, Dünndarm).

Wenn du aber aber von starken Darmbeschwerden (Blähungen, Durchfall etc.) betroffen bist und für diese kein anderer Grund gefunden werden konnte (z. B. Glutensensivität, Fructoseintoleranz, Morbus Crohn etc.) und dir auch eine FODMAP-Diät nichts genutzt hat, kann die klassische Stuhlanalyse doch einen guten Hinweis geben: Ab 1000 bis 10.000 koloniebildenden Einheiten von Candida albicans ist dann eine Candidose wahrscheinlich; besonders dann wenn du zu einer der Risikogruppen zählst (s.o.)

Wie kann nun therapeutisch gegen Candida vorgegangen werden?

1. Anti-Pilz-Diät

Oft wird eine spezielle Diät empfohlen, die den Pilz „aushungern“ soll. Diese Kost schließt jegliche Art von isolierten Einfach- und Industriezucker (z. B. Fructose, Glucose, Haushaltszucker), Weißmehlprodukte, Hefe und Alkohol konsequent aus. Bisher existieren allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirksamkeit dieser Therapie bestätigen.
Zwar ist es tatsächlich so, dass sich Pilze von Zucker und Aminosäuren ernähren, allerdings finden sich diese Stoffe (unabhängig von der Nahrung) auch in unserem Blut, zu dem sich Candida auch Zugang beschaffen kann.
Zudem kann sich der Pilz auch an eine zuckerarme Nahrungsgrundlage anpassen, indem er vermehrt Biofilme bildet, was seine Hartnäckigkeit sogar noch verstärken kann.
Trotzdem kann es dir nicht schaden auf oben genannte Lebensmittel zu verzichten, da diese ohnehin keinen Bestandteil einer gesunden Ernährung sein sollten. 😉

Eine bessere Ernährungsstrategie gegen Candida vorzugehen erscheint mir das Wachstum von guten Darmbakterien zu fördern. Und das gelingt v. a. mit präbiotischer und probiotischer Nahrung. Also vielen Ballaststoffen aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn (außer Weizen), sowie fermentierten Lebensmitteln (Joghurt, Sauerkraut, Miso etc.). Noch besser wirkt ein Probiotikum, da hier die guten Bakterien viel höher dosiert sind und auch wirklich im Darm ankommen.
Außerdem gibt es bestimmte Nahrungsbestandteile, die antifungal wirken können; z. B. Oreganoöl, Weihrauch oder Knoblauch.*

2. Antimykotikum (Anti-Pilzmittel)

Bei einer ausgeprägten Candidose mit starker gesundheitlicher Beeinträchtigung hat sich in vielen Fällen ein Antimykotikum (meist Nystatin) bewährt. Da dieses Mittel allerdings auch mit einigen Nebenwirkungen einhergehen kann, empfehle ich diese Art von Behandlung immer ärztlich begleiten zu lassen.

3. Neuinfektion vermeiden

Wichtig nach einer erfolgreichen Behandlung ist, dass ein Rückfall verhindert wird. Denn einmal vorhanden, übernimmt Candida bald gerne wieder die Oberhand. Um dies zu vermeiden ist, wie oben beschrieben, eine ballaststoff- und nährstoffreiche Ernährung essentiell. Zusätzlich sollte auf eine gute Mundhygiene geachtet werden, da sich der Hefepilz gerne über den Mundraum ausbreitet.

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Wie du siehst, kannst du bereits vieles über die Ernährung regeln, wenn du an Darmbeschwerden leidest. Gerne kann ich dich dabei ernährungstherapeutisch begleiten. Melde dich dazu einfach bei mir 🙂

Deine Alina

 

 

Quellen:

„Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“: Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedelung (2004): http://www.apug.de/archiv/pdf/bgbl_methkom_candida.pdf

„Small intestinal fungal overgrowth“(2015): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25786900

 

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2 Kommentare zu „Candida- Wie schädlich ist der Hefepilz tatsächlich?

    1. Hallo liebe Betina,

      vielen Dank für dein Lob. Freut mich sehr, dass dir meine Artikel gefallen.
      Hast du schon meinen kostenlosen Newsletter abonniert? Falls nein solltest du das nachholen um keine Beiträge mehr zu verpassen. 😉
      LG Alina

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